Seesegeln

SVSt unterwegs - Seeblogs, Fahrtensegeln, Fahrtenwettbewerbe, Seereisen
13.08.2017

Grüße aus der Hanöbucht

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Die Etappen der letzten Tage zeichneten sich durch einen Wechsel von schönen Segeltagen und Fahrradtouren durch abwechslungsreiche Naturreservate aus.

Nach den Fahrten durch enge Schärengewässer mit streng vorgegebenen und vorbereiteten Routen genossen wir das freie Wasser, in denen wir das Boot so richtig „laufen lassen“ konnten. Die Strecke von Figeholm nach Byxelkrok auf Öland war Segeln vom Feinsten. Bei Sonne, Wärme und 3 – 4 Beaufort konnten wir am Wind oder – nach einem Winddreher – mit halbem Wind bis kurz vor dem Hafen die Segeltour ausführlich genießen.

Auf Öland wurden dann gleich die Fahrräder ausgepackt. Die erste Tour führte uns erst durch Wald, dann durch Heidelandschaft mit Flugsandfeldern hin zu den Byrums Rauka. In diesem Gebiet stehen ca. 100 als Rauka bezeichnete Kalksteinsäulen dicht am Strand. Soweit das Auge reicht, sieht man diese bis 4 m hohen Gebilde. Das Meer hat hier die Buckel und Säulen aus weicheren Kalksteinen herausgewaschen.

Die Ausgrabungsstätten von Rosendal zeigten uns das besterhaltene Dorf Nordeuropas aus der Eisenzeit. Sehr eindrucksvoll wurde das große Areal beschrieben, und wir konnten anhand der noch vorhandenen Mauern uns die Gehöfte, Ställe und Grundstücke vorstellen. An anderen Orten konnten wir eine schiffsförmige Steinsetzung (Forgalla Skep) und Grabfelder aus der Wikingerzeit besichtigen. Außerdem sahen wir auch Höga Flisan, ein in historischer Zeit errichteter 1,7 m hoher Bautastein (so etwas wie ein Menhir oder Hinkelstein) aus Kalkstein. 

Auf einer dritten Fahrradtour erschlossen wir uns die Nordspitze von Öland mit dem Leuchtturm Långe Erik. Es ging durch die Naturreservate Vargeslätt und Älgmaden, in der Vergangenheit trockengelegte Feuchtgebiete, die derzeit renaturiert werden, bis hin zu der großen Bucht Grankullavik

Und überall auf Öland blühte es!

Nach diesen Tagen auf dem Fahrrad segelten / kreuzten wir bei angenehmem Wind nach Borgholm auf Öland und fuhren danach nach Kalmar auf der Festlandsseite. Nach einer erneuten Stadtbesichtigung besuchten wir das Läns-Museum, in dem tausende geborgene Fundstücke aus dem Wrack der Kronan ausgestellt waren, eines schwedischen Kriegsschiffs (Regal- oder Linienschiff), das 1676 bei einer Seeschlacht versenkt wurde. Neben der Wasa galt die Kronan als eines der größten Segelschiffe des 17. Jahrhunderts.

Die Exponate aus dem Besitz des Admirals, der Offiziere und der Besatzung (800 Männer kamen ums Leben), vom Läusekamm über Musikinstrumente und „Geschirr“, zeugten von dem „normalen“ harten Leben auf See in seinen unterschiedlichen Aspekten und Herausforderungen, aber auch die der damaligen Seekriegsführung. Die Umstände, die zum Untergang führten, als auch die Schwierigkeiten der Bergung der Fundstücke wurden sehr anschaulich präsentiert.

Ein herrlicher Segeltag, schnell und hoch am Wind, führte uns nach Mörbylånga, im südlichen Teil von Öland. Und auch hier waren mit dem Fahrrad sehenswerte Naturreservate zu entdecken. Der Wind war auch an Land stark, ca. 5 Beaufort, und kam gefühlt immer von vorn oder von der Seite. 

Unser Ziel war die Kalkheidesteppe Stora Alvaret. 

Stora Alvaret ist das größte Kalksteingebiet der Welt. Scheinbar endlos dehnt sich das Hochplateau aus Kalk dieser einzigartigen Landschaftsform. Die weite Ebene von Horizont zu Horizont weist keine menschlichen Besiedlungen auf, man erblickt Büsche und niedrigen Bewuchs aus z.B. Wacholder und Weißdorn sowie einzelne niedrige windgebeugte Bäume. Auch diese Flora ist einzigartig und charakteristisch. Kilometerlange Wälle aus rundlichen Granitblöcken durchziehen das Gelände.

In der Stora Alvaret gelegen ist Möckelmossen, ein riesiges Feuchtgebiet aus Flachwasserseen.

Und auch in dieser Gegend gab es Historisches zu betrachten: das Mysinge Grabfeld aus der Bronzezeit zeugte wieder von der frühen Besiedelung Ölands.

Die vielseitige Insel Öland werden wir gern wieder besuchen.

Bei wieder sehr gutem Wind mit 4 Beaufort kreuzten wir wieder auf die Festlandsseite, erst nach Kristianopel, dann ging es durch die südschwedische Schärenlandschaft, die wieder ein ganz anderes Bild zeigte als die Schären weiter im Norden – flacher und weiter – nach Kalskrona. Die Stadt, benannt nach Karl XI, wurde im 17. Jahrhundert als Schwedens größter Marinehafen in einem schwer zugänglichen Schärengebiet angelegt. Ein Stadtrundgang zeigte die militärische Vergangenheit.

Und von Karlskrona aus ging es zu unserer Lieblingsinsel Hanö mit ihren moosbewachsenen Felsen, Wiesen und Buschwerk – es ist so grün und wirkt verwunschen, dass wir uns vorstellen können, dass hier Trolle zu Hause sind. Ja, und die Insel hält uns fest. Gestern hatten wir erst Nebel, der Wind briste auf, so dass wir am Abend durchgehend 6 Beaufort im Hafen hatten. Nach einer kurzen Beruhigung heute Morgen weht es jetzt mit 7 Beaufort aus West – bei strahlendem Sonnenschein; sowohl die anderen Yachten hier als auch wir haben einen weiteren Tag Pause eingelegt.

Obwohl wir noch in der ersten Hälfte August sind, fühlt sich das Wetter zeitweise schon herbstlich an: es ist schon wieder deutlich kühler geworden (wir hatten nur eine kurze Periode, in der das Thermometer über 20 oder 21°C geklettert war), wir haben bewölkte oder bedeckte Tage, vereinzelt gibt es Schauer oder Nebel. Die Stimmung ist weiterhin sehr gut, und wir genießen die Reise und an den Hafentagen auch die Gespräche und den Meinungsaustausch mit anderen Seglern.